Monstera vermehren: Schritt-für-Schritt Anleitung im Wasserglas
Meine erste Monstera-Vermehrung endete in einem schimmligen Glas auf der Fensterbank in Berlin-Neukölln. Ich hatte den Steckling falsch geschnitten, kein Knotenstück erwischt, und nach drei Wochen war klar: Da wächst nichts mehr. Heute, sechs Pflanzen später, weiß ich genau, woran es lag.
Wer eine Monstera vermehren möchte, braucht eigentlich nur drei Dinge: ein scharfes Messer, ein Glas Wasser und etwas Geduld. Der Rest ist Technik – und die zeige ich dir hier ehrlich, inklusive der Fehler, die ich gemacht habe.
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Warum die Wasserglas-Methode die einfachste ist
Es gibt mehrere Wege, eine Monstera zu vermehren. Sphagnum-Moos, direkte Erde, Perlit – alles funktioniert. Aber das Wasserglas hat einen unschlagbaren Vorteil: Du siehst, was passiert.
Ich habe lange auf Moos geschworen, bis mir eine Gärtnerin im Botanischen Garten Hamburg gesagt hat, dass die Erfolgsquote bei Wasser für Anfänger deutlich höher liegt. Stimmt. In einem durchsichtigen Glas erkennst du sofort, ob die Wurzeln wachsen oder der Steckling fault. Bei Moos rätselst du wochenlang.
Der Nachteil: Die Wurzeln, die im Wasser entstehen, sind etwas anders strukturiert als Erdwurzeln. Beim Umtopfen kann es einen kleinen Wachstumsstillstand geben. Das ist normal.
Den richtigen Steckling auswählen
Hier scheitern die meisten. Ein Monstera-Blatt allein wird niemals Wurzeln bilden – egal wie lange du es ins Wasser stellst. Das war übrigens mein erster Fehler.
Was du brauchst, ist ein Stück Stängel mit mindestens einem Knoten (Nodus). Der Knoten ist die kleine Verdickung am Stamm, aus der entweder ein Blatt, eine Luftwurzel oder beides wächst. Ohne Knoten keine neuen Wurzeln. Punkt.
Idealerweise hat dein Steckling:
- Einen Knoten (besser zwei)
- Mindestens ein gesundes Blatt
- Eine vorhandene Luftwurzel (beschleunigt alles um Wochen)
Such dir einen Trieb, der etwa bleistiftdick ist. Zu dünne Stecklinge haben weniger Reserven und brauchen länger.
Der richtige Schnitt
Ich nehme ein scharfes Cuttermesser, das ich vorher mit Isopropanol abwische. Eine Gartenschere geht auch, aber sie quetscht das Gewebe leicht. Bei meiner Philodendron-Vermehrung im letzten Frühjahr habe ich genau deshalb zwei Stecklinge verloren.
Der Schnitt erfolgt etwa zwei bis drei Zentimeter unterhalb des Knotens, leicht schräg. Das vergrößert die Fläche, an der Wurzeln entstehen können. Den oberen Schnitt setzt du etwa einen Zentimeter über einem weiteren Knoten, falls vorhanden.
Lass den Steckling danach etwa 30 Minuten an der Luft liegen. Die Schnittstelle bildet eine dünne Kallusschicht, die das Faulen im Wasser reduziert. Diesen Tipp habe ich aus einem Gespräch mit einem Pflanzenhändler in der Markthalle Neun – seitdem fault nichts mehr.
Ins Wasserglas und dann?
Ein normales Trinkglas reicht. Ich nehme gefiltertes Wasser oder Leitungswasser, das 24 Stunden gestanden hat, damit das Chlor entweichen kann. Hartes Berliner Leitungswasser direkt aus dem Hahn funktioniert auch, ist aber nicht ideal.
Der Knoten muss komplett unter Wasser sein. Das Blatt sollte trocken bleiben, also nicht ins Wasser eintauchen. Stell das Glas an einen hellen Ort ohne direkte Mittagssonne. Bei mir steht es auf einem Regal etwa zwei Meter vom Ostfenster entfernt.
Wechsle das Wasser alle vier bis fünf Tage. Frischer geht immer, aber wer es vergisst, riskiert nichts – solange das Wasser nicht trüb wird oder anfängt zu riechen.
Was du in den ersten Wochen siehst
- Woche 1–2: Erste kleine weiße Pünktchen am Knoten
- Woche 2–4: Sichtbare Wurzelansätze, die sich verzweigen
- Woche 4–6: Wurzeln zwischen 3 und 7 cm Länge
- Ab Woche 6: Zeit zum Umtopfen
Wann und wie in die Erde
Viele warten zu lange. Ich auch, beim zweiten Versuch. Die Wurzeln waren 15 Zentimeter lang und total verfilzt – beim Umtopfen sind die Hälfte abgebrochen. Optimal ist ein Umtopfen, wenn die Wurzeln zwischen 5 und 7 Zentimeter lang sind und sich erste Verzweigungen zeigen.
Verwende lockere Aroidenerde mit Rindenstücken, Perlit und etwas Sphagnum. Fertige Mischungen gibt es bei Floragard oder du mischst selbst: zwei Teile gute Zimmerpflanzenerde, ein Teil Orchideenrinde, ein Teil Perlit. Mein letzter Topf war ein einfacher Terrakotta-Topf von einem polnischen Stand auf dem Maybachufer-Markt – sieben Euro, atmet super.
Die ersten zwei Wochen nach dem Umtopfen hältst du die Erde gleichmäßig feucht, nicht nass. Die Pflanze stellt jetzt ihre Wurzeln auf Erdbetrieb um, und das kostet Energie.
Häufige Fehler, die ich selbst gemacht habe
Der Steckling fault am unteren Ende. Meist liegt es an einer stumpfen Klinge oder zu warmem Wasser. Frisch schneiden, neues Wasser, kühler stellen.
Keine Wurzeln nach sechs Wochen. Entweder kein Knoten erwischt, zu dunkel gestellt oder zu kalt. Unter 20 Grad passiert wenig.
Das Blatt vergilbt. Normal in den ersten Wochen – die Pflanze priorisiert Wurzeln. Wenn mehrere Blätter gelb werden, prüfe die Lichtsituation.
Einen Fehler, den ich besonders peinlich finde: Ich habe einmal versucht, Bewurzelungshormon ins Wasser zu mischen. Das war Quatsch. Monstera braucht das nicht, und das Hormon hat das Wasser nur trübe gemacht. Erspar dir das Geld.
Mehrere Stecklinge gleichzeitig vermehren
Wenn du eine größere Mutterpflanze hast, kannst du sie in mehrere Stücke teilen. Ich habe meine 1,80 Meter hohe Monstera im März in fünf Stecklinge zerlegt – drei für mich, zwei für Freunde. Alle haben Wurzeln gebildet.
Wichtig dabei: Jedes Stück braucht mindestens einen Knoten. Stücke ohne Blatt funktionieren auch, brauchen aber länger und sehen wochenlang aus wie tot. Hab Geduld, gerade bei diesen sogenannten „Wet Sticks“ – die sind in Pflanzentauschgruppen auf Facebook übrigens richtig beliebt und teilweise teuer.
Was Licht und Temperatur wirklich ausmachen
Temperatur ist der Faktor, den die meisten unterschätzen. Bei 18 Grad passiert kaum etwas. Bei 24 Grad geht es richtig los. Im Winter stelle ich meine Stecklinge auf eine Heizmatte für Sämlinge – fünfzehn Euro im Baumarkt, halbiert die Bewurzelungszeit.
Licht: hell, aber indirekt. Ein Nordfenster reicht im Sommer, im Winter braucht es mehr. Ich nutze seit zwei Jahren eine kleine LED-Pflanzenlampe von Sansi, die etwa zehn Stunden täglich läuft. Macht einen riesigen Unterschied von Oktober bis März.
Direkte Sonne auf das Glas ist allerdings ein Problem – das Wasser erwärmt sich, Algen bilden sich, und der Steckling kann verbrühen.
Nach dem Umtopfen: die ersten Monate
Eine frisch eingetopfte Monstera ist erstmal beleidigt. Das neue Blatt, auf das du wartest, kommt vielleicht erst nach zwei Monaten. Das ist normal und kein Grund, an Standort, Wasser oder Erde zu drehen.
Was tatsächlich hilft: hohe Luftfeuchtigkeit. Mein Bad in Kreuzberg hat 65 Prozent Luftfeuchte, da explodieren junge Monsteras förmlich. Im trockenen Wohnzimmer brauchen sie deutlich länger.
Düngen erst nach vier bis sechs Wochen, dann sparsam. Ich nutze einen flüssigen Grünpflanzendünger, alle zwei Wochen, halbe Dosierung. Mehr macht nur Probleme.
Aktuell stehen bei mir drei neue Stecklinge im Glas, von einer Variegata-Monstera, die mir eine Nachbarin geschenkt hat. Bei panaschierten Sorten ist das Risiko höher, dass der Steckling den weißen Anteil nicht verkraftet – ich bin gespannt, ob alle drei durchkommen. Falls du selbst eine seltene Sorte vermehren willst, würde ich immer mehrere Stecklinge gleichzeitig ansetzen. Eine Lektion, die ich auf die harte Tour gelernt habe.


