Ableger einwurzeln im Wasser: Tipps für garantierten Erfolg
Letzten März stand ich in meiner Küche in Hamburg und starrte auf einen abgebrochenen Monstera-Trieb, den meine Katze vom Regal geworfen hatte. Statt ihn wegzuwerfen, stellte ich ihn in ein altes Senfglas mit Leitungswasser. Sechs Wochen später hatte ich drei weiße Wurzeln, jede gut fünf Zentimeter lang.
Seitdem habe ich es etwa zwölfmal wiederholt – mit unterschiedlichem Erfolg. Zwei Ableger sind mir verschimmelt, einer hat einfach nie Wurzeln gebildet und ist nach acht Wochen braun geworden. Der Rest? Steht jetzt bei Freunden, der Schwiegermutter und auf meinem Schreibtisch. Wenn du eine Monstera vermehren willst und nicht weißt, wo du anfangen sollst – hier ist, was bei mir wirklich funktioniert hat.
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Warum der richtige Schnitt über alles entscheidet
Der häufigste Fehler, den ich selbst gemacht habe: Ich habe einfach irgendwo abgeschnitten. Das funktioniert nicht. Eine Monstera bildet nur dann Wurzeln im Wasser, wenn der Steckling mindestens einen sogenannten Nodus enthält – das ist die kleine Verdickung am Stamm, aus der später Luftwurzeln und Blätter wachsen.
Ich nehme mittlerweile eine scharfe Rosenschere, desinfiziert mit etwas Isopropanol aus der Apotheke (das 0,99-€-Fläschchen reicht ewig). Geschnitten wird etwa zwei Zentimeter unterhalb des Nodus, schräg, nicht gerade. Ideal ist ein Steckling mit einem Blatt und einer bereits sichtbaren kleinen Luftwurzel – das verkürzt die Wartezeit massiv.
Ableger einwurzeln im Wasserglas – die Methode, die fast immer funktioniert
Beim Ableger einwurzeln im Wasser kommt es weniger auf das Glas an als auf das, was darin schwimmt. Ich nehme abgestandenes Leitungswasser, mindestens 24 Stunden offen gestanden, damit der Chlorgehalt runtergeht. Hamburg hat hartes Wasser, das scheint die Monstera nicht zu stören, in München würde ich vielleicht gefiltertes Wasser probieren.
Das Glas sollte durchsichtig sein, damit du die Wurzelentwicklung beobachten kannst. Braunes Glas habe ich auch ausprobiert – Wurzeln kamen, aber langsamer, vermutlich weil die Wurzeln Licht reagieren. Wechsel das Wasser alle fünf bis sieben Tage. Wenn es trüb wird oder müffelt, sofort.
Ein Trick, der bei mir den Durchbruch brachte: ein winziges Stück Aktivkohle aus dem Aquaristikbedarf (gibt’s bei Fressnapf für unter 3 €). Hält das Wasser sauber und reduziert Schimmelbildung deutlich.
Der ideale Standort
Hell, aber kein direktes Sonnenlicht. Mein bester Platz ist ein Ostfenster im Schlafzimmer – Morgensonne, dann den Tag über indirektes Licht. Auf der Südseite hatte ich zweimal das Problem, dass das Wasser zu warm wurde und der Steckling matschig.
Temperatur konstant zwischen 22 und 25 Grad. Im Winter habe ich das Glas auf die Fensterbank über dem Heizkörper gestellt – funktionierte überraschend gut, aber Wasser musste dann fast alle drei Tage gewechselt werden.
Wie lange dauert es wirklich?
Online liest man oft „zwei bis vier Wochen“. Meine ehrliche Erfahrung: bei vier von zwölf Stecklingen ja. Beim Rest hat es sechs bis zehn Wochen gedauert. Einer brauchte fast drei Monate, hat dann aber wie verrückt Wurzeln geschoben.
Was die Zeit beeinflusst:
- Jahreszeit (Frühling und Sommer deutlich schneller als Winter)
- Vorhandensein einer Luftwurzel am Steckling
- Alter der Mutterpflanze (jüngere Triebe wurzeln besser)
- Wassertemperatur
Geduld ist der unterschätzte Faktor. Ich habe einmal einen Ableger nach drei Wochen frustriert in einen Topf gepflanzt – er ist eingegangen. Wenn die Wurzeln nicht mindestens fünf bis sieben Zentimeter lang sind, bleibt das Ding im Wasser.
Mein größter Fehler: Zu früh in die Erde
Das war im Juli 2023. Ein wunderschöner Steckling mit zwei kleinen Wurzeln, vielleicht zwei Zentimeter lang. Ich hatte ein hübsches Terrakottatöpfchen gekauft und konnte einfach nicht warten. Drei Wochen später war das Blatt gelb, die Wurzeln verfault, alles vorbei.
Was ich daraus gelernt habe: Wasserwurzeln und Erdwurzeln sind nicht dasselbe. Wasserwurzeln sind dünner, weißer, weniger verzweigt. Wenn du zu früh umtopfst, muss die Pflanze komplett neue Erdwurzeln bilden – und das schafft sie oft nicht, bevor der Steckling zusammenbricht.
Mittlerweile warte ich, bis ich mehrere Wurzeln von mindestens sieben bis zehn Zentimetern habe, idealerweise mit kleinen Seitentrieben. Dann erst kommt ein lockerer Erde-Perlite-Mix zum Einsatz, etwa 70/30. Die ersten zwei Wochen halte ich die Erde feuchter als sonst, damit der Übergang nicht zu krass wird.
Häufige Probleme und was wirklich hilft
Steckling wird matschig am unteren Ende: Wasser war zu warm oder zu lange nicht gewechselt. Steckling rausnehmen, faules Stück abschneiden, frisches Wasser, weitermachen. Hat bei mir zweimal geklappt.
Das Blatt wird gelb: Meistens Lichtmangel oder das Wasser ist zu kalt. Standortwechsel hilft oft. Ein gelbes Blatt heißt nicht automatisch, dass der Steckling stirbt – solange der Stamm fest ist.
Keine Wurzeln nach sechs Wochen: Schau, ob der Nodus überhaupt unter Wasser ist. Klingt banal, aber ich habe einmal vergessen, das Glas nachzufüllen, und der entscheidende Punkt war über der Wasserlinie. Frustrierend.
Wasser wird schnell trüb: Zu viel Pflanzenmaterial im Glas, oder das Blatt berührt das Wasser. Das Blatt sollte immer komplett über der Wasserlinie hängen.
Sphagnum-Moos als Alternative
Wenn die Wassermethode partout nicht funktioniert, probier mal Sphagnum-Moos. Ich kaufe es bei einem kleinen Laden in Altona für etwa 8 € pro Packung, das reicht für ein halbes Jahr. Das Moos wird angefeuchtet, der Steckling reingelegt, alles in einen durchsichtigen Beutel oder eine alte Tupperdose mit Deckel.
Höhere Luftfeuchtigkeit, stabilere Wurzeln, oft schneller. Der Nachteil: Man sieht weniger, was passiert, und manche Leute (ich auch) finden den Geruch von feuchtem Moos unangenehm.
Was ich beim nächsten Mal anders machen würde
Ich habe gerade einen neuen Steckling im Glas stehen – diesmal mit zwei Nodien und einer schon recht langen Luftwurzel. Was ich noch nie probiert habe: Bewurzelungshormon. Manche schwören drauf, andere sagen, bei Monstera bringt es nichts, weil sie ohnehin leicht wurzelt. Ich werde es im Herbst mal testen, wenn die Wachstumsbedingungen schwieriger werden.
Was mich noch beschäftigt: Warum manche Ableger trotz identischer Bedingungen einfach nicht wollen. Ich vermute, es liegt am Alter und der Vitalität der Mutterpflanze, aber so richtig erklären kann ich es nicht. Vielleicht hat hier jemand bessere Theorien als ich.

